Vor Ort. Erlebnisberichte zu einigen der Veranstaltungen

Hier gibt es zu den einzelnen Veranstaltungstips im Nachgang Erlebnisberichte:

2. BUCHBERLIN 2015, die neue Berliner Buchmesse
www.buchmesse-berlin.com

Samstag, 28.11.2015

„Die neue Berliner Buchmesse“ hat zum ersten Mal 2014 ihre Tore geöffnet, um unabhängigen, kleineren und mittelständischen Verlagen mit bezahlbaren Standgebühren und Eintrittspreisen eine Messe zu ermöglichen. Aus ganz Deutschland reisten Verlage an und es gab eine lange Nachrückerliste. Auch die vielen Besucher haben die Messe gut angenommen. Daher machte man weiter. In diesem Jahr haben 99 Verlage in 5 Sälen im Logenhause in der Emser Str. 12-13 ausgestellt. Rund 80 Lesungen gab es und ca. 300 Autoren wurden erwartet.

Die Messe ist eine Publikumsmesse: stöbern, lesen, mit Verlagen und Autoren ins Gespräch kommen, sich in Ruhe im großen Saal mit Essen und Trinken stärken, Lesungen besuchen. Angekündigte Lesungs-Highlights waren Klaus Baumgart, der das neue „Lauras Stern“-Abenteuer vorstellte, Luci van Org, Murat Ham, Totte Kühn von den „Monsters of Liedermaching“ sowie Carsten Steenbergen mit der interaktiven Lesung „Steamtown“.

Die Messe wird vom gemeinnützigen Verein Bücherzauber e.V. organisiert, der die Leseförderung für Kinder- und Jugendliche sowie der Literaturförderung für Berlin/Brandenburg zum Ziel hat (mehr Info hier: Steffi Bieber-Geske und Interview). Einige Autoren haben daher auch bereits am Freitag, den 27. November in Schulen in Charlottenburg-Wilmersdorf gelesen. Und ebenso sind deshalb die Eintrittspreise klein und falls es einen Gewinn geben sollte, wird dieser in die Leseförderung gesteckt, laut Vereinssatzung.

Besucht habe ich die Messe mit meiner Tochter. Es war eine ausgesprochen bunte Mischung in meinen Augen, nicht nur hinsichtlich der Verlagsprogramme. Die Kinderbuchlesungen haben wir an dem Tag verpasst, ebenso den Bastelstand.

Highlight für uns war der Verlag Edition Bracklo. Mit viel Liebe und Gedanken gibt die Verlegerin Gabriela Bracklo Bücher aus Japan (darunter einen Bilderbuch-Klassiker von Allen Say, als Lizenz des amerikanischen Verlag Houghton Mifflin Harcourt Publishing Company, einer der führenden Bildungsverlage der USA mit Sitz in Boston) und Indonesien heraus. Es sind Volksmärchen, die sehr hochwertig gedruckt werden und daher nicht nur eine Augenweide, sondern auch haptisch ansprechend sind.
„Wenn meine Haare lang wachsen“ ist ein bezauberndes, fantasievolles Bilderbuch von der Japanerin Hoko Takadono. In Japan ist dieses Buch ein Klassiker. Hoko Takadono wurde stark von den Büchern Astrid Lindgrens und Erich Kästners geprägt. An Erich Kästner schrieb sie sogar einen Brief und er schrieb ihr zurück. Das hat sie sehr motiviert, selbst Geschichten zu schreiben.
Die Verlegerin Gabriela Bracklo bietet einige ihrer Bücher auch als Kamishibai an. Kamishibai ist ein Erzähltheater. Es hat eine lange japanische Erzähltradition – bereits im 12. Jahrhundert haben buddhistische Mönche Kamishibais eingesetzt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fuhren Kamishibai Geschichtenerzähler mit ihren Rädern durch Städte und Dörfer, verkauften Süßigkeiten und erzählten ihre Geschichten: Auf ihrem Gepäckträger waren Holzrahmen befestigt. Dort legten sie ihre Bildtafeln ein. So auch die Kamishibais der Edition Bracklo: Die Bilder eines Bilderbuches werden in einen hölzernen Kasten, der Kamishibai Bühne, geschoben und der Erzähler liest auf der Rückseite des Bildes den Text ab. Die Kinder werden durch die Bilder in dem Holzkasten in das Geschehen hineingesogen. Diese Reihe möchte Gabriele Bracklo ausbauen. Sie bietet auch Blanco Bildtafeln an, um Kinder zu ermutigen, ihre eigenen Geschichten zu schreiben und zu malen. So oder so ein wunderbares Projekt auch für Kindergärten und Schulen!

29.11.2015, Antonia Meisner

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Genial! Die erfinderische ARD-Kinderradionacht
www.kinderradionacht.de

Freitag, 27. November 2015, 20.05 bis 1 Uhr auf radioBERLIN 88,8

Eine fünf Stunden Reise durch die Welt voll von Erfindungen. Kreative und erfinderische Kinder haben ihre Erfindungen vorgestellt oder sich Erfindungen gewünscht – die meisten von ihnen wünschten sich eine Kinderzimmeraufräumerfindung. Es gab ein Mitmach-Hörspiel, über dessen Ausgang die Kinder abstimmen konnten, spannende Reportagen, Geschichten, Comedys, Interviews, Musik, Tipps und Anekdoten rund um Erfindungen. Immer wieder wurden Telefonate mit Kindern geführt und man erfuhr, was sie erfunden haben, wie z.B. eine Karton-Zitter.

Kleine, einfache Experimente gab es im Studio, die die Kinder zuhause mitmachen konnten. So z.B. zum Thema bewegte Luft: Töne kann man hören und fühlen, in dem man die Hand auf den Lautsprecher legt. Schall wurde auf diese Weise fühlbar. Mit den Fingern in den Ohren hört man seinen eigenen Schall, lustig zum Mithören über ein Stethoskop.

Erfindungen hat der Moderator Ralph Erdenberger plakativ vorgestellt: „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat.“ So absurd dieser Satz klingt, so ist er für die Telefongeschichte erstaunlich. Vor über 150 Jahren sprach der Tüftler Philipp Reis diesen beim allerersten Telefonat. Unvermutet war eine andere Erfindung: Eis am Stiel wurde vor über hundert Jahren per Zufall von dem 11 Jährigen Frank Epperson in San Francisco erfunden: er hat sein Glas mit Limonade mit einem Stäbchen zum Rühren darin versehentlich über Nacht auf der Veranda stehen lassen. Und diese Nacht war außergewöhnlich kalt. Das Eis am Stiel war geboren. Über Erfindungen kann man auch trefflich streiten. So streiten die Dresdner und Schweizer darüber, wo die erste Milchschokolade erfunden wurde. Interessant bleibt, dass für die erste Milchschokolade vor 176 Jahren Eselsmilch verwendet wurde und dass man für eine Tafel Schokolade eine Woche arbeiten musste.

Ermutigend und informativ war die Erfindung eines Mädchens: sie hat viel getüftelt, recherchiert und experimentiert. Heraus kam die Idee für eine Plastikflaschenwaschmaschine. Schritt für Schritt konnten die Kinder erfahren, wie man auf Ideen kommen kann, wie man sie weiterentwickeln und wie man sie schützen lassen sollte. Dafür ist die Redaktion mit dem Mädchen nicht nur zu einer interessierten Firma gefahren, sondern auch zum Patentamt.

Gemeinsam mit der Kinderzeitschrift GEOlino haben die ARD-Kinderradioredaktionen seit dem Sommer zum Wettbewerb aufgerufen. Gesucht wurden geniale, ungewöhnliche Ideen für Erfindungen. Es kamen 700 Einsendungen, aus denen drei Gewinner gewählt wurden. Die Wahl fiel sehr schwer. Die drei Gewinner haben im Radiointerview ihre Erfindung vorgestellt, das in der Radionacht gesendet wurde.

Es war eine gelungene erfinderische Nacht, in der mit spannenden Berichten die Kinder wachgehalten wurden, die Experimente die Kinder neugierig gemacht haben und nicht zuletzt, da es einen roten Faden gab, an dem sich alles logisch aneinanderreihte. Kein Wunder, dass die Kinder so lange fit und munter bis zum Schluss waren. Sehr zu empfehlen für das nächste Jahr. Mal sehen, welches Thema dann ansteht.

28.11.2015 von Antonia Meisner

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Gilgamesch_Enkidu_Annette_Hartmann

Berliner Märchentage
„Die goldene Stadt Uruk – Gilgamesch und Enkidu“ http://www.märchenland.de/veranstaltungen/new/public/index/detail/id/290

  1. November 2015

Märchenerzählerin Annette Hartmann hat die Zuhörer in der Märchenjurte im Figurentheater Grashüpfer in Berlin Treptow in uralte Zeiten und in ein fernes Land geführt: Das Gilgamesch Epos ist das erste auf 12 Tontafeln mit einer Keilschrift niedergeschriebene literarische Werk der Menschheit. Es ist wahrscheinlich aus nicht zusammenhängenden Einzelsagen entstanden und spielt im Zweistromland, im heutigen Irak. Gilgamesch regierte ca. um 2600 v. Chr. als König und war wohl ein mächtiger Herrscher. Die Stadt Uruk führte er zu Reichtum und Ruhm. Um Gilgamesch ranken viele Legenden, so auch dieses Epos.

Der sonnengleiche Gilgamesch ist der Stärkste, doch er unterdrückt sein Volk. So beschließen die Götter, einen ihm ebenbürtigen Helden zu schaffen: Enkidu. Er soll Gilgamesch besiegen, damit das Volk wieder Frieden findet. Zwischen den beiden kommt es zum Kampf, in dem es keinen Sieger gibt. Gilgamesch und Enkidu werden Freunde und bestehen gemeinsam Abenteuer.

Dieses alte Epos aus dem Zweistromland handelt von Macht, Freundschaft, Wandlung und der uralten Suche, den Tod zu überwinden.

Annette Hartmann hat dieses anspruchsvolle und tiefgründige Epos auf eine so leichte Art lebendig werden lassen, dass die Kinder gut folgen und sich, wie die Erwachsenen auch, ihre eigenen Gedanken machen konnten. Kein Wunder, dass gerade die jungen Zuhörer nur ungern in die Pause gingen, sich dann aber an Kinderpunsch und Herzhaftem erfreuten. Ein sehr gelungener und bezaubernder Abend in der Jurte beim warmen Schein des Feuers, ab und an begleitet von wundersamen Klängen ganz besonderer Instrumente.

Wer Lust hat, mehr von der Märchenerzählerin Annette Hartmann zu erfahren oder sich in ihrem Verteiler aufnehmen zu lassen, der kann auf ihrer Homepage stöbern.
Mitglied des VEE e.V. (Verband der Erzählerinnen und Erzähler)

25.11.2015, Antonia Meisner

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13. Steglitzer Literaturfest am 21.11.2015
http://www.literaturinitiative.de/bli-veranstaltungen/literaturfest.html

Die Schlange reichte bis vor die Eingangstür der Schwartzschen Villa – als ich meinen Eintrittsstempel erhielt, war leider schon die Begrüßung im Großen Salon durch die Leiterin des Kulturamtes Steglitz-Zehlendorf, Doris Fürstenberg, und Jugendliche der LIN (Literaturinitiative) (http://www.literaturinitiative.de/home.html) vorbei. Begrüßt und jederzeit gut geführt wurde ich dennoch und zudem sehr charmant von den Gastgebern: Kinder und Jugendliche aus den Literaturkursen der Literaturinitiative an Berliner und Brandenburger Schulen moderierten für Kinder und Jugendliche – und weiteren Interessierten durch den Tag: 11 Lesungen, zwei Werkstatt Angebote, Tombola und Büchertisch. Vor jeder Lesung wurden erst Lieblingsbücher, dann der Autor und schließlich dessen Werk vorgestellt. Und wer wollte, konnte natürlich nach der Lesung auf Autogrammjagd gehen. Literatur satt für jeden Geschmack.

Im Stundentakt genoss ich die Lesungen und Werkstätten nonstop. Was für ein Luxus, die Autoren live zu erleben und sie dann anzusprechen, um sie für unsere Schullesungen zu gewinnen:

Auch wenn Salah Naoura wegen Krankheit absagen musste, so wurde ich von der Stimme Denis Abrahams und seiner Vorlesekunst verzaubert.
Ute Krause hielt nicht nur mit ihren Zeichnungen die Zuschauer in ihren Bann, sondern im Besonderen durch die so gut inszenierte Lesung. Ihre Figuren erwachten zum Leben und es war, als seien sie unter uns. Kein Wunder, dass hier die Zeit nicht reichte und die  Zuhörer für die nächste Lesung schon ungeduldig vor der Tür warteten.
Zoran Drvenkar und Corinna Bernburg waren für mich das Highlight des Tages. Ein inspirierender und erquickender Ausklang des diesjährigen Literaturfestes mit ihrem kunstvollen Gedicht- und Fotografieband.

Anregend war auch das LIN-Kursschüler-Projekt: Kinder der LIN präsentierten ein Theaterstück zu dem Flüchtlingsbilderbuch „Zuhause kann überall sein“. Und Jugendliche haben einen Ausschnitt ihrer Interviews zum Leben im geteilten Deutschland vorgestellt, die in dem Buch „Geteilte Ansichten“ veröffentlicht wurden.

Martin Schneider ermutigte seine Zuhörer zur eigenen Schreibwerkstatt und gab Einsichten hierfür in seine kreative Streetart-Cartoons-Gedichte-Geschichten-Sammlung.

Sicherlich können wir uns von diesen Veranstaltungen auch Anregung holen oder direkt mit der LIN zusammen etwas auf die Beine stellen.

Natürlich gab es noch viele andere Autoren (http://www.literaturinitiative.de/fileadmin/web/images/Literaturfest/Litfest_Flyer_A6.pdf), denen ich lauschte. Klaus Kordon las aus „Joss“. Wie gerne hätte ich hier zugehört. Doch las zur selben Zeit Ute Krause und die Schullesungen müssen geplant werden.

Tipp für nächstes Jahr: Unbedingt mitbringen: gute Nerven für das Geschiebe und Gedränge, eigene Notverpflegung für Lesungsmarathon, genügend Zeit zum Hören, Stöbern, Schmökern und vielleicht für das eine oder andere Autogramm oder ein kurzes Gespräch mit einem der Autoren.

Wie schön, dass das Literaturfest so zahlreiche kleine und große Besucher hatte.

Einen ersten Anruf erhielt ich gleich zwei Tage später von der LIN mit einer Einladung zu einer Lesung. Ich hoffe sehr, dass dieser Kontakt die Lesungen an unserer Schule beflügelt.

23.11.2015, Antonia Meisner

 

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